Fremde Reichweite, fremde Regeln.
Auf dem Marktplatz sind die Kunden schon da. Im eigenen Shop gehören sie Ihnen. Beides hat einen Preis, und der steht an verschiedenen Stellen.
Die Frage kommt bei fast jedem Shopprojekt: Warum eigentlich ein eigener Shop, wenn bei Amazon die Kunden längst suchen? Die Antwort hängt an drei Zahlen und einer Haltung.
Vorweg, damit es nicht nach Lagerdenken klingt: Marktplätze sind für viele Händler der sinnvollste Einstieg. Die Frage ist nicht entweder-oder, sondern in welcher Reihenfolge.
Was der Marktplatz kostet — und zwar wirklich
- Provision je Verkauf, je nach Kategorie ein spürbarer Anteil des Umsatzes
- Grundgebühr für das Verkäuferkonto
- Versandgebühren, wenn Sie die Logistik des Marktplatzes nutzen
- Werbung — inzwischen praktisch Pflicht, um überhaupt gefunden zu werden, und ein stetig wachsender Posten
- Preisdruck, weil direkt daneben dasselbe Produkt steht
Die vier ersten Posten stehen in Ihrer Abrechnung. Der fünfte nicht — und er ist der teuerste.
Was Sie auf dem Marktplatz nicht bekommen
Die Kundenbeziehung. Sie erfahren in der Regel nicht, wer gekauft hat, jedenfalls nicht so, dass Sie den Kunden später ansprechen dürften. Der Kunde hat bei Amazon gekauft, nicht bei Ihnen — das ist keine Haltung, sondern die Wahrnehmung der meisten Käufer.
Die Hoheit über die Darstellung. Produktseiten folgen den Vorgaben des Marktplatzes, und bei geteilten Angeboten entscheiden andere mit.
Planbarkeit. Regeln, Gebühren und Rankinglogik ändern sich, und Konten können gesperrt werden — manchmal zu Unrecht, immer ohne Vorwarnung. Wer sein gesamtes Geschäft dort hat, hat sein Geschäft bei jemand anderem.
Was der eigene Shop kostet
Ehrlich gerechnet: mehr Vorlauf und mehr Eigenleistung. Aufbau, Hosting, Pflege, Zahlungsanbieter — und vor allem die Aufgabe, Besucher selbst zu holen. Die kommen nicht von allein, und das ist der Punkt, an dem die meisten Projekte enttäuscht werden.
Dafür bleibt die Marge bei Ihnen, Sie haben die Daten, Sie bestimmen das Sortiment und die Darstellung, und Sie bauen etwas auf, das Ihnen gehört.
Die Rechnung, die wir empfehlen
Nehmen Sie einen typischen Artikel und rechnen Sie beide Wege durch:
- Marktplatz: Verkaufspreis minus Provision minus Werbekosten je Verkauf minus Versand minus Einkauf = Deckungsbeitrag
- Eigener Shop: Verkaufspreis minus Zahlungsgebühr minus Versand minus Einkauf minus anteilige Fixkosten = Deckungsbeitrag
Dann die entscheidende Zusatzfrage: Wie viele Verkäufe im Monat braucht der eigene Shop, damit die Fixkosten gedeckt sind? Diese Zahl ist Ihr Ziel — und sie ist meist kleiner, als man denkt.
Der Weg, der sich bewährt hat
1. Auf dem Marktplatz anfangen, wenn Sie noch keine Nachfrage kennen. Sie lernen, was sich verkauft, zu welchem Preis und mit welchen Rückfragen — und das zu Kosten, die mit dem Umsatz mitwachsen.
2. Parallel den eigenen Shop aufbauen, sobald es Artikel gibt, die zuverlässig laufen.
3. Jede Lieferung nutzt den Marktplatz, um die eigene Marke zu zeigen — im Rahmen der jeweiligen Regeln. Ein ordentlicher Beileger, erkennbare Verpackung, ein Grund, beim nächsten Mal direkt zu kaufen.
4. Umschichten, wenn der eigene Shop trägt. Nicht abschalten — Marktplätze bleiben ein guter Vertriebskanal, wenn sie nicht der einzige sind.
Technisch braucht es dafür eine Stelle, an der Artikel und Bestände gepflegt werden, und Anbindungen in beide Richtungen. Doppelte Pflege ist der sicherste Weg zu Überverkäufen.
Häufige Rückfragen.
Wir sehen es uns an.
Kurze Frage oder ganzes Vorhaben — das Erstgespräch kostet nichts, auch wenn daraus kein Auftrag wird.